Was gibt es, was es in Shanghai nicht gibt? – NICHTS!
Manch einer möchte meinen, das sei ganz und gar unmöglich, ich sage: doch es ist möglich, denn diese Stadt hat einfach viel zu viel zu bieten. Und ich wäre dumm, wenn ich nicht hin und wieder einige Ausflüge in das sonst Unmögliche unternehmen würde.
Shanghai ist eine Metropole, ein Schmelztiegel für Arm und Reich. Hier kommen die Armen aus den ländlichen Regionen hin, um Arbeit zu finden und die Reichen aus aller Welt, weil diese Stadt ein Umschlaghafen, ein Finanz- und Handelszentrum ist. Dieses unvorstellbar ungerechte Ungleichgewicht bringt auch eine unglaubliche Vielfalt mit sich. Oft ist einem gar nicht so bewusst in welchen Dimensionen sich das ganze bewegt, aber hin und wieder werden einem dann die Augen geöffnet, z.B. wenn man gerade noch in irgendwelchen slumähnlichen Gegenden für 50 Cent vom Grill gegessen hat und sich fünf Minuten später in einer Bar befindet, die Wein im Glas für 30.000 Yuan (ca. 3.000€) anbietet. Gleich raus hier, haben wir uns gedacht und sind weitergezogen!

Gestern wollte ich mit einem Freund einen Kaffee trinken gehen. Es war schon abends und er kennt ein gutes Café, meinte er, das Shintori. Wir gingen also durch eines der alten Shanghaier Viertel; enge Gassen, kleine Häuser im europäischen Stil, kaum Platz zum Laufen auf den Gehwegen, denn überall standen Fahrräder. Plötzlich zieht er mich in einen Hauseingang. Sehr merkwürdig, dachte ich, denn dieser Eingang passte gar nicht zum Haus. Das Haus war alt und heruntergekommen; aber der Eingang modern, wenn auch schlicht, aus glattem Beton, grau, wie in das Haus hineingebohrt und dann vergessen worden. Der Eingang bestand aus einigen Stufen die hoch in das Haus hineinführten, keine Tür, kaum Beleuchtung. Wir gingen die Stufen hoch, und plötzlich hörte der Gang auf, keine Tür, kein Nichts, einfach ENDE. In der Wand waren neun Löcher in drei Reihen eingelassen, die von innen beleuchtet wurden. Mein Freund hielt seine Hand in bestimmte Löcher, alles in einer bestimmten Reihenfolge und siehe da, die Wand schob sich beiseite, dahinter ein großes Lokal mit bestem Service. Na wenn das mal kein Geheimtipp ist?!
Ich habe mir sagen lassen, dass der Code am Eingang sich von Tag zu Tag ändert. Man kommt also nicht so einfach rein.

Letzten Monat, als ich endlich meine Studiengebühren losgeworden bin und nicht mehr so viel Bargeld zuhause rumliegen hatte (das kann echt nerven), war ich in absoluter Stimmung etwas Besonderes zu erleben. Ich überlegte nicht lange und mir fiel mein letzter Aufenthalt in Shanghai mit Onkel Heinz ein. Wir waren damals auf Besuch im Hyatt im Jinmao Tower, ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Inzwischen steht in Shanghai schon wieder ein noch höheres Gebäude, das Global Finance Center, gleich gegenüber vom Jinmao. Dieses ist derzeit der zweitgrößte Wolkenkratzer weltweit. Auch in diesem Hochhaus gibt es ein Hotel in dem man, so sagte man mir, sehr gut Kaffee trinken kann. So bin ich also auf in den 87 Stock. Dieses Hotel, das Park Hyatt ist wirklich sehr schön eingerichtet. Schlicht, modern und trotzdem nobel. Neben der Einrichtung ist natürlich der Ausblick kaum zu übertreffen. Man fühlt sich wie in einem Raumschiff oder so, das über Shanghai schwebt. Die Atmosphäre ist sehr angenehm und die Toiletten … vollautomatisch
Ich fühlte mich wie ein Steinzeitmensch der die 60er Jahre als modern betrachtet. Nach dem Kaffee fühlte ich mich irgendwie komisch, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sowas zu erleben ist Wahnsinn, man denkt ja immer man sei zivilisiert, aber sowas übersteigt dann alles Vorstellbare.

Ich grüße euch ganz herzlich aus dieser Stadt der absoluten Gegensätze, in der man Dinge erlebt, für die es kaum Worte gibt, weil sie ganz einfach zu neu sind!

Zu den Fotos