Liebe Freunde!
Sicher fragt ihr euch manchmal, was genau ich hier in Shanghai eigentlich mache außer leben und Fotos online stellen. Deshalb hier ein kurzer Artikel zu meinem Uni-Leben.
Teil meines Studiums in Deutschland ist ein Jahr Aufenthalt in China; dazu gehört ein einsemestriges Studium an einer unserer drei Partneruniversitäten und anschließend ein 6-monatiges Unternehmenspraktikum in chinesischem Umfeld.

Momentan studiere ich also in Shanghai an der East China Normal University.
Fokus des Studiums ist Wirtschaftschinesisch. Wir haben dazu einen speziellen Lehrplan von unserem Chinesisch-Dozenten in Bremen erstellt bekommen. Der Lernaufwand ist wirklich enorm. Zwar ist es gut, dass ich mich nun nur auf eine Sache, nämlich Chinesisch konzentrieren kann. Allerdings die Menge an Vokabeln und Grammatik pro Tag machen es nicht gerade leichter. Zusätzlich schreiben wir pro Woche einen Aufsatz, bekommen jede Menge Hausaufgaben und müssen regelmäßig Präsentationen über die chinesische Wirtschaftssituation und ähnliche Fachthemen auf Chinesisch halten.

Unsere beiden Dozenten sind sehr gut!
Herr Shi hat bereits viele Jahre Erfahrungen mit unserem Studiengang gesammelt und legt großen Wert darauf, dass wir alles verstehen. Die Art wie er den Stoff vermittelt ist ganz große Klasse, sowas erlebt man nur selten. Wenn er einmal ein Wort, Zeichen oder Ähnliches erklärt hat, vergisst man es nur schwer wieder. Außerdem hat seine Methode irgendwie auch den Effekt, dass man nicht nur das erklärte Wort, sondern auch gleich zehn weitere besser versteht. Frau Weng ist eine sehr freundliche aber auch strenge Lehrerin. Sie zieht voll durch und lässt nichts aus, was für uns nicht immer besonders einfach ist, man lernt aber dadurch auch sehr viel bei ihr.
Bei Herrn Shi lernen wir unser Hauptfach, Chinesische Wirtschaftssprache, bei Frau Weng lernen wir hingegen Lese- und Hörverständnis und Alltagschinesisch. Insgesamt haben wir also drei verschiedene Veranstaltungen, diese dafür aber sehr intensiv.

Unser Unterricht findet in der Fakultät für Chinesisch als Fremdsprache statt. Es sind also jede Menge Ausländer um uns herum und wir können so auch Kontakte mit Leuten aus anderen Ländern oder sogar aus Deutschland knüpfen. Leider ist das nicht immer so einfach, denn durch unseren Studiengang haben wir gesonderte Konditionen und nehmen nicht am gleichen Programm teil wie die anderen, sondern haben unsere eigene Klasse.

Unsere Universität, die East China Normal University (dt.: Pädagogische Universität Ostchinas) gehört durch ihren Status zu den Pädagogischen Hochschulen. Ihr Fokus liegt also vor allem auf der Ausbildung von Lehrern. Allerdings gibt es durchaus auch andere Fachrichtungen, die hier angeboten werden. Die Universität wurde im Oktober 1951, zwei Jahre nach Gründung der Volksrepublik, im Westteil Shanghais gegründet und ist die erste pädagogische Universität der V.R. China.
Schon einige berühmte Leute haben von hier absolviert, einer davon ist Liu Xiang, chinesischer Hürdenläufer, er brachte bei der Olympiade 2004 Gold für China. Inzwischen ist er hier eine Art Nationalheld und ich denke auch ihr wisst wen ich meine.

Inzwischen beschäftigt die Universität etwa 1.700 Vollzeit-Dozenten, darunter 1.100 Professoren.
Mit ihren Fakultäten deckt die ECNU etwa 61 Studienprogramme, 130 Doktoren-Programme und 170 Master-Studiengänge in den Naturwissenschaften, Kunst, Unternehmensführung, Ingenieurswissenschaften, Recht und Bildung, Philosophie und Geschichte ab. Insgesamt studieren an der ECNU etwa 21.000 chinesische Studenten und zusätzlich dazu etwa 2.700 ausländische Studenten. Die Universität ist besonders bekannt für ihren guten Ruf in der Vermittlung von Chinesisch als Fremdsprache.

Inzwischen verfügt die Universität über zwei Campi. Der neue Campus befindet sich weit außerhalb der Stadt und ist nur schlecht erreichbar. Zum Glück sind wir auf dem alten Campus in der Stadt. Dieser ist sehr schön und hat neben den ganzen Einrichtungen eine wunderschöne Grünanlage mit vielen Bäumen, Alleen, Wiesen und sogar ein kleiner Fluss schlängelt sich über den Campus. Sobald man den Campus betreten hat befindet man sich also in einer ganz anderen Welt, viel ruhiger wie sonst in Shanghai üblich.
Ab Dezember werde ich dann mein Praktikum als Assistent in der Bremischen Vertretung, in der AHK in Shanghai machen.
Ich sende euch die besten Grüße aus dieser Stadt und hoffe es geht euch in Deutschland gut! Ich für meinen Teil bin froh, dass ich zurzeit nicht da sein muss. Ich hätte wohl keine Lust auf dieses Wahlchaos. Ich hätte mich eher nur zu Tode geärgert!
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